Thumbnail of CoverPage 114 of “William Forthsythe: Denken in Bewegung” by Gerald Siegmund

114	Dana Caspersen | Aus dieser Einsicht erwuchs eine Methode, Bewegungen zu erzeugen, die wir als »Shearing« bezeichnen. Der Begriff definiert einen Zustand, in dem der Körper sich weder stimmlich noch körperlich jemals direkt artikuliert. Nähern wir uns zum Beispiel einem Mikrofon oder einer Person an, mögen unsere Gedanken in diese Richtung wandern, aber unsere Körper prallen rückwärts an diesem Gedanken ab und schlagen in viele Richtungen quer. Der Körper wird zu einer Vielzahl durcheinander wirbelnder Strömungen, ein Zustand komplexer, fragmentierter Reaktion. | Schließlich wurde mir klar, dass ich, um mich in diese gedrehten, für meinen Körper eigentlich schädlichen Zustände versetzen zu können, verstehen musste, was mein Körper denkt. Ich musste erst begreifen, dass er bereits damit beschäftigt war, über den ganzen Raum zu denken: über die Form und Ausrichtung des Stückkörpers und über die Informationen, die ich von den Körpern und Stimmen der anderen Tänzer erhielt. So stellte ich zum Beispiel fest, dass ich das Abprallen und Querschlagen von Augen, Kiefer, Brustkorb und Hüften tatsächlich dann bewerkstelligen konnte, wenn ich es mir nicht als Aktivität vorstellte, sondern als Zustand, der durch meinen Körper hindurch wandert und mich mit dem ganzen Raum verbindet. | Die erste Szene des Stücks ist daraus hervorgegangen. In dieser Szene spreche ich beide Rollen in einem Dialog. Ich lasse die Idee der zwei Stimmen in gebrochener Form durch mich hindurch wandern, sodass mein Körper in einem Zustand der angespannten | Georg Reischl und Allison Brown in Decreation |