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Hill Top | für das pro-fashional ballett | Die Designerin und Kostümbildnerin Claudia Hill ist “in Erlangen geboren, war die letzten zehn Jahre in New York und jetzt in Berlin und einen Teil des Jahres in New York” Sie “ist ich”. Nein. “Ich bin ich” sagt sie, “Frau, Kind, Mutter, Modedesignerin, der die Modeindustrie oft zu kommerziell ist, künstlerisch Arbeitende, der die Kunst oft zu intellektuell ist.” Zum Zeitpunkt des Interviews lässt Hill gerade ihre Kostüme probieren, wie sie mit Tänzern arbeiten können. Am Ballett Frankfurt hat sie für das von William Forsythe choreographierte Stück “Decreation” das Kostümbild entworfen. Forsythe, geboren 1949 in New York, ist seit 1984 künstlerischer Leiter am Ballett Frankfurt, das er per Nichtverlängerung seines Vertrages 2004 verlassen wird. “Decreation” arbeitet in drei tänzerischen Phasen, splittet jedoch einzelne mediale und künstlerische Einflüsse, Oper und Film, ab, um die Rückkodierung auf das Urmedium Tanz mutmaßlich zu diversifizieren und gleichzeitig zu vereinfachen. “Ich sehe eine Korrelation zwischen Choreographie und Kleidung darin, indem sich der Körper bewegt, mit ihm aber auch die Kleidung, die um ihn herum liegt”, so Claudia Hill. “Manche Bewegungen können je nach Menge und Schnitt des Stoffes im Raum weitergeführt oder aber limitiert werden. Ein bewusstes Einschränken der Bewegungsfreiheit ist sehr interessant. ” Selbst ausgebildete Tänzerin zu sein, ist weniger Heimvorteil, als ein dramatisch vehementerer Anspruch und die Bruchstelle, die Hill selbst ob-ihrer Biografie darstellt: “Dynamik erzeugend ist für mich die Grenze zwischen Körper und Bekleidung, zwischen nackten Stellen und bekleideten und zwischen dem Körper, so wie er ist und seiner veränderten Problematisch kann es sein, wenn die Kleidung zu sehr im Vordergrund steht. Der Körper ist wichtiger. ” Forsythes Choreographie “Decreation” ist der Versuch, etwas schon Geschehenes rückgängig zu machen, einer Annäherung an einen Originalzustand, wodurch “eine neue Kreation entsteht, indem Teile weggenommen werden oder bloßgestellte Elemente für sich alleine und in neuem Zusammenhang gezeigt werden”, wie Hill es beschreibt. Wichtig sind bei “Decreation” verschiedene Stofftexturen, sowie die Möglichkeit von Verschiebungen, wodurch Haut, sicher aber auch Schein und Bedeutung zum Vorschein kommen können. Claudia Hill hat eine Abneigung gegen alles Mediokre. Ihre Geheimnisse sind geheim. Gut und böse lässt sie in einer Email ihren sechs Monate alter Sohn definieren (“sa u vttttttttttttttttttl8**1 7y7” bzw. “k 7I88888888UB 6HB GBN7 yhnn97”). Hill und ihre Kreationen und Dekreationen sind nicht über den Berg, sondern stets selbst Grat und Wanderung. | Foto: Dieter Schwer | Words: Paul Feigelfeld | Style & The Family Tunes | 036 > Culture |